IoT Vendor Universe – die große Marktübersicht

IoT-Clouds konsolidieren sich, Edge Computing ist aber noch sehr fragmentiert.

 

von Dr. Stefan Ried

Mit dem Crisp Vendor Universe IoT wird einer der aufwendigsten Reports veröffentlicht, den Crisp Research in den letzten Jahren publiziert hat. Ein Grund dafür ist nicht nur die große Zahl von 82 bewerteten Anbietern, sondern auch die neue Betrachtung von vier Marktsegmenten. In dem sich noch schnell verändernden IoT-Markt besteht die große Gefahr, „Äpfel mit Birnen“ zu vergleichen. So ist ein IoT-Cloud-Service zum Speichern von Sensordaten nicht direkt mit einer Machine-Learning-Software vergleichbar, die auf einem kleinen Edge-Device einer Industrie­anlage läuft. Gleichzeitig hat das Crisp Vendor Universe den Anspruch, einen umfassenden Überblick über den ganzen Markt zu geben.

Die Lösung war die Betrachtung von vier Marktsegmenten, wie wir bereits beim Start der Research-Phase berichtet hatten. Innerhalb jedes Marktsegments sind die Angebote einigermaßen vergleichbar und werden in einem Quadranten-Bild dargestellt. Einige größere Anbieter haben inzwischen ein umfangreiches Portfolio von mehreren Angeboten gebildet und positionieren sich sogar in zwei oder gar drei Marktsegmenten gleichzeitig. Insgesamt wurden deshalb nicht nur 82 Anbieter bewertet, sondern 120 einzelne Angebote in den vier Marktsegmenten.

Der Vendor Universe Report richtet sich hauptsächlich an Leser in Deutschland, Österreich und der Schweiz und ist deshalb auch in deutscher Sprache veröffentlicht. Um sich noch weiter von anderen Marktübersichten zu differenzieren, haben wir für Sie aus dem globalen IoT-Markt nur die Angebote herausgefiltert, die auch tatsächlich in Deutschland verfügbar und supported sind. Genauso wurden im Marktsegment der IoT-Development-Services nur die Dienstleister bewertet, die auch eine lokale Präsenz in Deutschland haben oder aus einem Nachbarland entsprechend in Deutschland präsent sein können. Damit ist das Crisp Vendor Universe IoT der umfangreichste IoT-Marktüberblick, der zurzeit verfügbar ist und sich speziell an Anwender in Deutschland (bzw. DACH) richtet.

 

„Der Markt der IoT-Edge-Technologien wird sich in den nächsten 18 Monaten deutlich konsolidieren. Der IoT-Edge-Technologiequadrant könnte also in zwei Jahren ähnlich aussehen wie der IoT-Cloud-Backend-Quadrant heute.“

 

IoT-Cloud-Backend

Die IoT-Cloud-Backend-Dienste bilden das reifste der vier IoT-Marktsegmente. Man findet neben einigen Innovators, Challengers und Emerging Players, zwei Gruppen unter den marktführenden Accelerators.

Führende Accelerators haben sich aus großen IaaS-Anbietern entwickelt. Während vor zwei Jahren, im ersten IoT Vendor Universe, die Cloud-Dienste im Wesentlichen generische Cloud-IaaS-Dienste waren, haben die großen Cloud-Provider alle dedizierte Dienste für IoT-Daten, Messaging oder Device-Management geb
Starke Accelerators differenzieren sich mit höherwertigen PaaS-Diensten speziell für IoT-Szenarien. Obwohl das IaaS-Level bei diesen Angeboten meistens als Commodity von einem Hyperscaler kommt, der auch auf dem IoT-PaaS-Level als Konkurrent auftreten könnte, sind diese Accelerators extrem interessant. Entweder bieten sie eine besonders gute Integration in SaaS-Anwendungen, Branchen-Lösungen oder gleichzeitig die passenden Edge-Technologien an.

In den Quadranten-Bildern aus Product-Value (nach oben) und Vendor-Performance (nach rechts) erkennt man die Reife eines Marktes daran, wie sehr sich die Anbieter entlang der Diagonale konzentrieren. Die führenden Accelerators haben das beste Angebot und sind gleichzeitig die größten Firmen am Markt. Die starken Accelerators haben gleichzeitig weniger vollständige Produkt-Angebote und sind deutlich kleiner in Bezug auf Unternehmensgrößen, Marktanteil und Marketingausgaben, daher weiter links.

IoT-Cloud-Backend as a Service

 

IoT-Edge-Technologien

Hier sieht die Verteilung ganz anders aus. Es gibt eine kleine Gruppe starker Accelerators, die gleichzeitig sehr weit oben und rechts ist. Obwohl es Hersteller gibt, die schon seit 20 Jahren IoT-Edge-Hardware und -Software anbieten, ist der Markt nicht konsolidiert und weniger reif. Besonders aufgefallen sind uns folgende Anbietergruppen:

Reife Accelerators bieten meistens sehr viel Erfahrung für einen bestimmten Aspekt der Edge-Technologien. Hier sind Hersteller vertreten, die beispielsweise Sensor-Data-Capturing von eigenen Edge-Devices über Messaging bis hin zur Speicherung in einem IoT-Cloud-Backend anbieten. Dennoch gibt es relativ viele Anbieter auf dem nicht konsolidierten Markt. Deshalb haben einige Hersteller auch nicht die Größe und Strategie, sich mit einer maximalen Vendor-Performance weiter rechts zu positionieren
Starke Innovators sind ein Zeichen von Märkten, die sich noch deutlich verändern werden. In dieser Gruppe sind beispielsweise auch Start-ups, die ex­trem gute Event-Processing- oder Machine-Learning-Software für kleine Edge-Devices anbieten. Damit positionieren sie sich sogar relativ weit oben, obwohl andere Komponenten der IoT-Edge-Technologien fehlen. Dennoch sind es diese kleinen Start-ups, die von Kunden kaum gefunden werden und deshalb weit links liegen.

Crisp Research erwartet, dass sich der IoT-Edge-Technologie-Markt in den nächsten 18 Monaten deutlich konsolidiert. Damit werden die starken Innovators von den reiferen Accelerators aufgesogen, was diese wiederum weiter nach oben bringt. Der IoT-Edge-Technologie-Quadrant könnte also in zwei Jahren ähnlich aussehen wie der IoT-Cloud-Backend-Quadrant heute.

IoT-Edge-Technologien

 

IoT-Development-Services

Die Development-Services sind noch sehr stark in Bewegung. Für Anwender sind im Moment besonders zwei Gruppen interessant:

Große Accelerators sind meist die global aufgestellten Systemintegratoren und Consulting-Unternehmen. Um den IoT-Markt nicht zu verpassen, bieten sie natürlich Entwicklungsleistungen an. Auch wenn einfach aufgrund der Größe in diesen Unternehmen exzellente Entwickler und IoT-Architekten sind, ist die durchschnittliche Qualität in der Vielzahl von Projekten eine der größten Herausforderungen. Trotz herausragender Strategie und Sichtbarkeit, die diese Anbieter weit nach rechts bringt, erreicht kein Anbieter exzellente IoT-Skills in allen Projekten, um ganz nach oben zu kommen.
Beste Skills kommen im Moment tatsächlich von mittleren oder kleineren Dienstleistern. Relativ junge Firmen zwischen 200 und 10 000 Mitarbeitern bieten hier exzellente Entwicklungsleistungen an. Teilweise ist ihre Sichtbarkeit am Markt aber so gering, dass sie nicht einmal Accelerator werden und noch links auf der Innovator-Seite liegen.

Insgesamt ist der Markt für IoT-Development-Dienstleister heute etwa vergleichbar mit dem Dienstleister-Markt für E-Commerce in den Jahren 1999 bis 2010. Während zunächst nur wenige Spezialisten gute E-Commerce-Lösungen bauen konnten, haben heute alle großen Systemintegratoren und Consulting-Häuser diese Skills vollständig absorbiert und es gibt kaum noch ausschließlich E-Commerce-fokussierte Dienstleister. Das Gleiche wird auch IoT-Dienstleistungen in den nächsten fünf Jahren passieren. Erst wenn keine jungen, kleinen Unternehmen mehr aus dem „Emerging Player“-Segment nachkommen und die besten Skills in den großen Accelerators konsolidiert sind, ist der Markt gereift.

Für Anwender bedeutet dies, dass sie sich in den nächsten Jahren die besten IoT-Entwickler von kleinen Unternehmen holen müssen oder diese sinnvoll mit bekannten Systemintegratoren kombinieren sollten, die ihr Unternehmen schon kennen.

IoT-Development-Services

IoT-Telco-Stacks

Dies sind die Technologiekomponenten, aus denen Telcos ihre IoT-Plattformen zusammensetzen. Das ermöglicht ihnen, mit weit weniger IoT-Intellectual-Property und in Kombination mit ihren Netzdiensten in Konkurrenz zu den Hyperscalern im Marktsegment der IoT-Cloud-Backends aufzutreten. Dort sind auch die Offerings einiger Telcos im Vendor Universe bewertet.
Der Quadrant der Telco-Stacks richtet sich also eher an die Telcos selbst, die stets auf der Suche nach neuen Technologie-Komponenten sind. Außerdem sollten Anwender, die sich auf einen Telco-Stack verlassen, diese Komponenten kennen. Darin sehen wir zwei Gruppen:

Multiplay-Offerings sind Technologie-Komponenten, die sowohl bei Telcos als auch direkt bei Unternehmen positioniert werden. Für Unternehmen ist dieser Quadrant besonders wichtig, falls die Portierung einer IoT-Anwendung zwischen dem Telco-Stack und dem generischen Cloud-Service des Technologie-Herstellers gewünscht ist.
Telco-Niche-Offerings sind meist Angebote, die (zumindest in Deutschland) exklusiv für Telcos angeboten werden und für Unternehmen direkt gar nicht zugänglich sind. Obwohl diese Komponenten in einem Telco-Stack wichtige Nischen abdecken können, sollten Unternehmen die Vendor-Lock-in-Problematik im Auge behalten.
IoT-Telco-Stack

 

Der Telco-Stack-Quadrant hat insgesamt viel weniger Angebote, weil viele Hersteller die Verfügbarkeit in Deutschland nicht sicherstellen oder erst anbieten, sobald einer der führenden Telcos die Technologie in Europa verwendet. //

Die komplette Studie kann unter der Telefon­nummer +49 561 220 740 80 bestellt werden.

www.crisp-research.com

 

 

Autorenvita Dr. Stefan Ried

 

 

Lesen Sie auch seine Beitrag: Offene Standards für das Internet of Things

 

 

Der Text ist unter der Lizenz CC BY-SA 3.0 DE verfügbar.
Lizenzbestimmungen:
https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/

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